Eine Führungskraft und drei Beschäftigte lernen in einem modernen Büro gemeinsam an einem LaptopSymbolbild (KI-generiert)
FÜHRUNG

Weiterbildungs­kultur für Führungs­kräfte

Kurz gesagt: Eine Weiterbildungskultur entsteht nicht durch ein Kursangebot, sondern durch das Verhalten der Führung. Beschäftigte lernen eher, wenn Lernen im Arbeitsalltag erwünscht, planbar und sichtbar ist. Aus unserer Sicht sind dafür fünf Dinge entscheidend: Vorbild sein, Lernzeit einplanen, regelmäßig sprechen, im Alltag lernen lassen und Erfolge zeigen.

Dieser Beitrag gibt Ihnen praktische Tipps für den Führungsalltag. Förderung spielt dabei nur eine Nebenrolle: Sie kann ein Baustein sein, ersetzt aber keine Haltung. Am Ende finden Sie eine Praxis-Checkliste.

Warum ist die Vorbildfunktion so wichtig?

Beschäftigte achten darauf, was die Führung tut, nicht nur darauf, was sie sagt. Wer Lernbereitschaft erwartet, aber selbst nie lernt, sendet ein widersprüchliches Signal. Aus unserer Sicht reicht oft schon wenig: Sie besuchen selbst eine Schulung, sprechen offen über etwas Neues, das Sie lernen, oder geben zu, dass Sie etwas noch nicht können.

Das nimmt dem Lernen die Schwere. Fehler beim Üben gelten dann als normaler Teil des Lernens und nicht als Schwäche.

Auch kleine Gesten zählen: Wer nach einer Schulung selbst fragt, was im Team davon nützlich sein könnte, zeigt, dass Lernen kein Privatvergnügen ist, sondern dem ganzen Betrieb dient.

Wie planen Sie Lernzeit sichtbar ein?

Gute Absichten scheitern häufig am vollen Terminkalender. Lernen, das nur „nebenbei“ stattfinden soll, findet in der Praxis oft nicht statt. Legen Sie Lernzeit deshalb fest, wie Sie jeden anderen Termin festlegen.

  • Feste Lernzeiten in den Dienstplan oder Kalender eintragen
  • Vertretung vorab klären, damit niemand parallel arbeiten muss
  • Lernzeit nicht kurzfristig für Tagesgeschäft streichen
  • Bei längeren Maßnahmen den Arbeitsausfall im Team gemeinsam planen

Wichtig ist auch die Haltung dahinter: Aus unserer Sicht sollte Lernzeit wie Arbeitszeit behandelt werden; rechtlich hängt das vom Einzelfall ab. Wer sie nur außerhalb der Arbeitszeit anbietet, signalisiert, dass Lernen nachrangig ist.

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Wie führen Sie gute Entwicklungs­gespräche?

Ein Entwicklungsgespräch ist kein Mitarbeitergespräch über Leistung. Es geht um die Zukunft: Was möchte jemand lernen, und was braucht das Team? Hören Sie zuerst zu, bevor Sie Vorschläge machen.

Hilfreiche Leitfragen sind: Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit Freude? Wo fühlen Sie sich unsicher? Welche Kenntnisse würden Ihnen den Alltag erleichtern? Halten Sie das Ergebnis kurz schriftlich fest und vereinbaren Sie den nächsten Termin. Dann wird aus einem Wunsch eine Verabredung.

Wie wird Lernen Teil des Arbeitsalltags?

Nicht jedes Lernen braucht einen Kurs. Im Alltag gibt es viele Möglichkeiten, bei denen Erfahrung weitergegeben wird:

  • Mentoring: Eine erfahrene Person begleitet eine neue oder wechselnde Kraft über einen festen Zeitraum.
  • Wissenstransfer: Wer an einer Schulung teilgenommen hat, gibt das Wichtigste im Team weiter.
  • Kurze Lernrunden: Etwa 15 Minuten im Teammeeting für ein Thema, das gerade beschäftigt.
  • Gemeinsame Dokumentation: Abläufe und Tipps werden an einem Ort gesammelt.

Aus unserer Sicht sind solche Formate besonders für kleine Betriebe geeignet, weil sie ohne großes Budget starten können. Sie ersetzen eine zertifizierte Weiterbildung nicht, bereiten aber den Boden dafür.

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Wie gehen Sie mit Widerständen um?

Widerstand gegen Weiterbildung hat meist einen Grund. Häufig steckt Zeitmangel dahinter, die Sorge, den Anforderungen nicht zu genügen, oder Zweifel am Nutzen. Nehmen Sie diese Einwände ernst, statt sie zu übergehen.

Fragen Sie nach, was genau stört. Bieten Sie kleine Einstiege an, etwa ein kurzes Format oder einen Lernpartner. Machen Sie den Nutzen konkret: Was wird dadurch im Arbeitsalltag leichter? Zwang führt aus unserer Sicht selten zu Lernbereitschaft. Freiwilligkeit mit guten Rahmenbedingungen wirkt meist besser.

Wie machen Sie Lernerfolge sichtbar?

Was nicht gesehen wird, wirkt nicht. Würdigen Sie Lernerfolge deshalb offen: im Teammeeting, im Gespräch oder im Aushang. Wichtig ist, das Gelernte mit der Praxis zu verbinden. Zeigen Sie, was sich im Alltag verbessert hat, etwa ein schnellerer Ablauf, weniger Rückfragen oder eine neue Aufgabe, die jemand übernimmt.

Geben Sie dem Gelernten auch Raum zum Anwenden. Wer nach der Weiterbildung keine Gelegenheit erhält, das Neue einzusetzen, verliert schnell die Motivation. Wie Sie Erfolge systematisch erfassen, zeigt der Beitrag Erfolg messbar machen.

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Welche Rolle hat die Geschäftsführung, und was kann Förderung beitragen?

Die Geschäftsführung setzt den Rahmen: Sie stellt Zeit und Budget bereit und macht Weiterbildung zu einem erklärten Ziel. Wenn sie Lernen nur erwähnt, aber nicht ermöglicht, fehlt den Führungskräften der Rückhalt, Lernzeit im Alltag auch gegen Termindruck durchzusetzen.

Förderung kann dabei ein Baustein sein. Die Agentur für Arbeit kann die Weiterbildung Beschäftigter nach § 82 SGB III fördern, je nach Betriebsgröße und im Einzelfall. Wollen mehrere Beschäftigte dasselbe Bildungsziel erreichen, genügt grundsätzlich ein Sammelantrag. Besteht eine Betriebsvereinbarung oder ein betriebsbezogener Tarifvertrag zur beruflichen Weiterbildung, kann bei sonstiger Weiterbildung je nach Betriebsgröße ein Zuschlag von 5 Prozentpunkten hinzukommen. Mehr zu Sätzen und Zuschlag im Beitrag Lohnkostenzuschuss im Detail.

Checkliste: Was können Führungs­kräfte sofort tun?

Diese Punkte können Sie in den nächsten Wochen umsetzen:

  1. Selbst etwas Neues lernen und im Team davon erzählen.
  2. Lernzeit im Kalender festlegen und Vertretung klären.
  3. Mit jedem Beschäftigten ein kurzes Entwicklungsgespräch führen.
  4. Ein Mentoring oder eine Lernrunde im Team starten.
  5. Einwände zur Weiterbildung sammeln und ernst nehmen.
  6. Nach jeder Schulung eine Weitergabe im Team vereinbaren.
  7. Lernerfolge im Team sichtbar würdigen.
  8. Mit der Geschäftsführung klären, welches Budget und welche Förderung infrage kommen.

Häufige Fragen

Wie viel Zeit sollten Beschäftigte für Weiterbildung bekommen?Eine bundesweit einheitliche Vorgabe gibt es nicht. Je nach Bundesland, Tarifvertrag oder Arbeitsvertrag können aber Ansprüche bestehen, etwa auf Bildungsurlaub. Planen Sie die Lernzeit verbindlich ein und passen Sie den Umfang an Aufgaben und Teamgröße an.
Was tun, wenn Beschäftigte nicht lernen wollen?Klären Sie zuerst die Gründe, etwa Zeitmangel, Unsicherheit oder fehlender Nutzen. Kleine Einstiege und ein konkreter Bezug zum Arbeitsalltag helfen aus unserer Sicht mehr als Druck.
Kann die Agentur für Arbeit Weiterbildung für mehrere Beschäftigte gemeinsam fördern?Haben mehrere Beschäftigte dasselbe Bildungsziel, genügt nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit ein Antrag. Ob und in welcher Höhe gefördert wird, prüft die Agentur im Einzelfall.
Wer ist für die Weiterbildungskultur verantwortlich?Aus unserer Sicht tragen Geschäftsführung und Führungskräfte gemeinsam die Verantwortung. Die Geschäftsführung schafft den Rahmen, die Führungskräfte leben ihn im Alltag vor.
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Fazit

Eine Weiterbildungskultur entsteht im Alltag: durch Vorbild, feste Lernzeit, regelmäßige Gespräche und sichtbare Erfolge. Beginnen Sie klein, zum Beispiel mit einem Entwicklungsgespräch und einer festen Lernstunde, und bleiben Sie verlässlich. Ob und in welcher Höhe eine Förderung infrage kommt, prüft die Agentur für Arbeit im Einzelfall. Ihr Beratungsteam von tohelp.de unterstützt Sie bei der Antragstellung.

Quellen und Stand

Stand der Informationen: Oktober 2026. Alle Angaben ohne Gewähr. Maßgeblich sind das Gesetz und der Bescheid der Agentur für Arbeit; Ihr Beratungsteam von tohelp.de ersetzt keine Rechtsberatung.

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